Risiken in der Daten(er)haltung

Die Langzeiterhaltung und die Langzeitverfügbarkeit digitaler Daten wird von verschiedenen Faktoren determiniert, die im Folgenden aufgeführt werden.

Lebensdauer von Trägermedien
Alle wesentlichen Trägermedien in der Geschichte der Menschheit haben eine beträchtliche Lebensdauer. Während Steintafeln mehrere Jahrtausende überdauern, kommen Bücher auf säurefreiem Papier immerhin noch auf einige hundert Jahre. Optische Speichermedien hingegen, wie etwa CDs und DVDs erreichen bei guten Lagerungsbedingungen gerade einmal maximal 80 Jahre. Bei schlechter Lagerung manchmal sogar lediglich ein halbes Jahr. Auch USB-Sticks bilden hier in den allermeisten Fällen keine Ausnahme.

Verfügbarkeit von Wiedergabegeräten
Oft liegen Daten auf Trägermedien vor, die längst nicht mehr up-to-date sind (z.B. 5 ¼ Zoll Laufwerk). Solche Datenträger im Besitz einer Gedächtnisorganisation werfen eine Vielzahl von Problemen auf: Neue Geräte besitzen keine Möglichkeit, diese Trägermedien wiederzugeben oder Ersatzteile für Altgeräte sind schwer zu beschaffen.

Betriebs- und Dateisysteme
Das Betriebssystem, mit dem moderne Computer arbeiten, determiniert das Dateisystem (z.B. FAT12, NTFS, EXT3,…) mit dem dieser arbeitet. Nicht jedes Dateisystem kann von jedem Betriebssystem interpretiert werden. Wenn jedoch das Dateisystem nicht mehr interpretierbar ist, können die Informationen auf dem Datenträger nicht mehr ausgelesen werden.
Darüber hinaus wird eine entsprechende Bedienungskompetenz für das Betriebssystem benötigt.

Inkompatibilitäten und "Veralten" von Software
Auch die Software, mit der digitale Objekte erstellt wurden bzw. angezeigt werden können, stellt ein potenzielles Risiko dar. So muss eine solche Software verfügbar sein, um die entsprechenden Daten anzeigen zu können. Dies ist speziell bei alter Software oft nicht mehr gegeben. Hinzu kommt dann als nächstes Problem, dass diese Software oft nicht mehr auf modernen Betriebssystemen zu installieren ist.

Inkompatibilitäten und "Veralten" von Formaten
Formate stellen in der digitalen Langzeitarchivierung einen wichtigen Punkt dar. Deutlich wird dies beispielsweise durch ihre hervorgehobene Stellung im OAIS-Referenzmodell. Maßnahmen zur Erhaltung von Datenbeständen sind in sehr hohem Maße vom verwendeten Format abhängig. Problematisch wird es dann, wenn ein Format nur noch selten verwendet wird oder kaum noch Software für seine Wiedergabe zur Verfügung steht. Gut geeignete Formate zur digitalen Langzeitarchivierung zeichnen sich dadurch aus, dass sie:

  • über eine größtmögliche Offenheit und Lizenzfreiheit verfügen,
  • einen hohen Grad der Verbreitung besitzen,
  • über möglichst keine Schutzmechanismen verfügen,
  • gut dokumentiert sind,
  • robust gegenüber Bitfehlern sind und
  • keine Abhängigkeiten zu bestimmter Hard- oder Software aufweisen.

Umgekehrt lässt sich feststellen, dass Daten besonders dann gefährdet sind, wenn viele dieser Punkte nicht erfüllt sind.

Formatabhängigkeiten in einem OAIS-konformen Langzeitarchivierungssystem